Der lösungsfokussierte Ansatz

Es gibt sicherlich kaum einen Tag in dem sie in ihren Projekten nicht mit Problemen oder Konflikten konfrontiert werden. Dies hört sich im ersten Moment eventuell negativ an, ist aber nicht so gemeint. Es ist normal dass es neben positiven Momenten auch negative Momente gibt. Wichtig dabei ist der richtige Umgang mit solch negativen Situationen.

In diesem Artikel möchte ich ein paar Grundgedanken zu möglichen Verhaltensweisen in Konfliktsituationen aufzeigen. Dabei orientiere ich mich an dem Konzept des lösungsfokussierten Ansatzes welcher einen positiven und zielführenden Umgang mit Problemsituationen aufzeigt.

Der lösungsfokussierte Ansatz hat seine Ursprünge aus Beobachtungen der Familientherapie. Es wurde dabei untersucht warum manche Klienten es schneller schafften umsetzbare Ideen zu entwickeln als andere. Die daraus resultierenden Erkenntnisse zeigen dass ein lösungsfokussierter Ansatz zielführend ist. Im weiteren Verlauf werde ich die wichtigsten Punkte aus dieser Studie zusammenfassen und erläutern wie sie diese in ihrer täglichen Projektarbeit anwenden können.

 
Problemsprache schafft Probleme, Lösungssprache schafft Lösungen

Sprache ist das wichtigste Instrument beim lösungsfokussierten Vorgehen. Die Sprache und damit das Schildern einer Situation ist nicht einfach nur ein gefühlloses widerspiegeln eines Zustandes sondern ganz im Gegenteil, beim Schildern des Zustandes wird man zwangsläufig in diesen zurück versetzt.

Man erlebt die Situation also nochmals, mit all ihren negativen Gefühlen. Die Körperreaktionen sind dabei ähnlich wie bei der damaligen Situation selbst. Diesen negativen Zustand erneut zu durchleben ist unangenehm und bringt uns keinen Schritt voran.

Die Tatsache, dass sich die Sprache und damit das geistige hineinversetzen in eine Lage sich auch in körperlichen und gefühlsbetonten Reaktionen manifestiert funktioniert glücklicherweise auch für den Blick in die Zukunft. Durch die Beschreibung eines zukünftigen Ziels versetzt man sich gefühlsmässig in die Lage als ob man das Ziel bereits erreicht hat. Je genauer man diese Zukunftsvision beschreibt und sich auf diese fokussiert desto mehr fühlt man wie es einem ergehen wird wenn man das Ziel erreicht hat.

Dieses positive Gefühl zieht einen dann regelrecht in Richtung des Wunschzustands. Alle Handlungen werden darauf fokussiert sein. Erst wer formulieren kann wie das Ziel und damit der Zustand in der Zukunft genau aussehen soll, wird auch einen Weg dahin finden und das Ziel schliesslich erreichen.

Es lässt sich somit sagen: Sprache schafft Wirklichkeit.

 
Fokus auf die bessere Zukunft

Genaue Kenntnisse über die Entstehung eines Problems tragen leider nicht dazu bei Schritte in Richtung Besserung zu finden. Der Fokus auf die Problemsituation ist damit doppelt hinderlich. Zum einen versetzt er uns zurück in die unangenehme Situation (wie oben beschrieben) und zum anderen hilft uns dies nicht einmal weiter bei der Suche nach Schritten hinaus aus der Krise. Was auch immer früher gewesen ist sollte man hinter sich lassen. Wichtig für die Lösung ist allein der Fokus auf die angestrebten Ziele in der Gegenwart und der Zukunft.

Ein Blick in die Vergangenheit ist trotzdem sinnvoll. Aber dabei sollte man wie beschrieben nicht nach der Ursache für Probleme fahnden. Man sollte stattdessen nach Momenten suchen in denen sich die Situation besser angefühlt hat. Situationen in denen keine oder weniger Probleme da waren.

Dabei sollte man fragen: Wie hat man sich dabei gefühlt? Was hat man anders gemacht bzw. was hat dazu geführt das die Situation besser war?

 
Wenn etwas funktioniert dann mache mehr davon

Vorgehen und Verhaltensweisen die gut funktionieren sollte man als Basis verwenden. Diese bekannten Dinge schaffen Vertrauen und geben Sicherheit. Der Weg zum angestrebten Ziel beginnt somit nicht bei null, sondern baut auf Bekanntem auf.

Um herauszufinden was bisher gut funktioniert hat muss man allerdings auch den Fokus auf das Positive lenken und diese Punkte finden. Wer eine Situation problemorientiert betrachtet und analysiert wird auch nur die Fehler und Probleme finden und die gut funktionierenden Vorgehensweisen übersehen.

 
Wenn etwas nicht funktioniert dann lass es sein

Im Umkehrschluss zum vorhergehenden Punkt sollte man nicht funktionierende Vorgehen und Verhaltensweisen ablegen. Dies hört sich erst einmal logisch an und jeder wird zustimmen. In der Praxis ist sieht dies aber ganz anders aus. Es wird immer wieder an alten Verhaltensweisen und Vorgehen festgehalten. Diese abzulegen, insbesondere wenn man damit schon positive Erfahrungen gesammelt hat, ist extrem schwierig.

Ein Vorgehen, das beispielsweise in den vergangen drei Projekten sehr zielführend war, kann im neuen Projekt einen gegenteiligen Effekt haben. In solch einem Fall wird aber gerne an den alten und vermeintlich bewährten Konzepten festgehalten, auch wenn diese im neuen Kontext eindeutig nicht passend sind. Es wird dann meist nach anderen Ursachen gesucht die man für die Probleme verantwortlich machen könnte.

„Das haben wir schon immer so gemacht“ ist eine scheinbar beliebte aber meines Erachtens katastrophale aussage die man in der Praxis erschreckend oft hört. Übersetzt heisst diese Aussage nichts anderes als: „Das Vorgehen funktioniert nicht, aber da wir dieses gewohnt sind behalten wir es trotzdem bei“.

In solchen Situationen, in denen die bisherigen Vorgehensweisen nicht funktionieren, sollte man daher offen für neue Wege und Denkansätze sein. Diese können auf bisherigen Dingen aufbauen, aber auch völlig neuen Ideen sollte man eine Chance geben.

 
Auf Stärken und Fähigkeiten konzentrieren

In Problemsituationen sollte man sich als Gesprächspartner oder Moderator immer auf die Stärken und Fähigkeiten des Gegenübers bzw. des Projektteams konzentrieren. Dabei sollte man niemals versuchen das Problem der Anderen lösen zu wollen. Dies würde nur darauf hinaus laufen dass man seine eigene Lösungsidee vorgibt. Ob diese sinnvoll ist sei hierbei mal dahingestellt, das grösste Hindernis liegt in der geringen Akzeptanz von vorgegebenen Problemlösungen.

Es gibt nur einen der ein Problem wirklich lösen kann. Und zwar derjenige der das Problem hat. Als Moderator oder Gesprächspartner ist es daher nicht Teil ihrer Aufgabe Probleme zu lösen. Sie sollen stattdessen den Anderen dabei helfen ihre eigenen Lösungen zu finden. Ein Lösungsweg den jemand selbst findet und damit Ziele die sich jemand selbst setzt sind zielführend. Eigene Ziele werden wesentlich häufiger umgesetzt als erteilte Ratschläge.

 
Sei offen für neues

Durch seine eigenen Erfahrungen wird man bewusst oder unbewusst in eine bestimmte Richtung gelenkt. Hört man von einer Situation, wird man aufbauend auf seinen Erfahrungen entsprechende Reaktionen zeigen.

Dies ist oftmals hilfreich und zielführend kann im Gegenzug aber leider auch Platz für neue Ideen rauben. Neuen Situationen gegenüber sollte man daher immer offen und neugierig gegenüber stehen und nicht komplett durch eigene Erfahrungen überdecken, auch wenn eine Situation noch so vertraut scheint. Die Rahmenbedingungen und einige Teilaspekte sind in der neuen Situation sicherlich anders als bisher.

Gerade in Gesprächssituationen im Projektteam sollte man sich daher bewusst sein, das bisherige Erfahrungen, bestehendes Wissen und etablierte Vorgehensweisen eine wichtige Basis bilden, man diese Dinge aber bewusst einmal zur Seite lassen darf und mittels Fragen offen und neugierig agieren sollte. Dabei sollten Fragen möglichst offen sein und nicht bereits zu meiner eigenen Lösung hinführen. In solch einer befreiten Gesprächssituation kann man teilweise auf sehr überraschende Ideen stossen die man bei direkter Anwendung des bestehenden Wissens nicht gefunden hätte.

 
Summary

Wer sich auf Probleme fokussiert wird diese am Leben erhalten und sehr lange Zeit mit ihnen zu tun haben. Wer sich hingegen auf Lösungen fokussiert wird Konflikte und Probleme auflösen oder abschwächen können. In diesem Artikel habe ich einen Einstieg in das Thema gegeben und ihnen ein einige wichtige Verhaltensweisen im Umgang mit Konfliktsituationen aufzeigen können.

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